Tschüss Analytics

Es ist ja schon bemerkenswert…. die wenig verbliebenen DSGVO-Fans feiern die Vorgaben der EU und verweisen Gebetsmühlenartig auf den Umstand, dass das bisschen DSGVO keinem gestandene Unternehmen schaden würde und vor allem die durchzuführenden Aufgaben seit 2 Jahren bekannt sind…

 

Die DSGVO und die Interpretation im ständigen Wandel

Sind sie das? Also ich lese zur Zeit immer mal wieder Artikel, in denen die DSGVO in den letzten Tagen durch kleine Übersetzungskorrekturen auf einmal eine etwas andere Bedeutung erhält – und ich lese auch, dass sich zum Beispiel auf der Konferenz der unabhängigen Datenschutzbehörden des Bundes und der Länder (DSK) – immerhin einen ganzen Monat vor Ablauf der DSGVO Übergangsfrist  -mit einigen „offenen Punkten“ beschäftigt hat. So zum Beispiel mit dem User-Tracking.

Da kommen dann 4 Wochen vor dem „Grand Opening“ noch neue Erkentnisse auf den Tisch. So soll eben für Google Analytics, Matomo (Piwik) und Co. eine Cookieabfrage erfolgen.

 

Beim Besuch der Website muss demzufolge der Besucher befragt werden, ob er mit folgendem einverstanden ist:

Dürfen wir Ihre Nutzung unserer Website zur Verbesserung unseres
Angebotes und Erfassung Ihrer Interessen auswerten?

Dafür nutzen wir irgendein Tracking-Tool. Weitere Informationen finden
Sie in unserer Datenschutzerklärung. Ihre Einwilligung ist freiwillig, Sie können
diese jederzeit für die Zukunft widerrufen.

 

JA       NEIN

 

Also so ungefähr sollte das aussehen. Wir dürfen raten….

 

Da zählt nix mehr

Ich möchte meinen, das intuitiv schon mal 60% auf nein klicken. Immerhin ist das ein neuer Button. Bis jetzt durften Nutzer nur OK klicken – jetzt darf was entschieden werden, Freude macht sich breit. Andere 30% verstehen überhaupt nicht was das Fenster soll, suchen das X. Finden es nicht und weil nicht „Gewinnspiel“, oder „iPad geschenkt“ da steht, drücken die auch auf NEIN. Verbleiben 10% die Mitleid mit dem Website-Betreiber haben, oder zur Firma gehören.

 

Leute was soll das denn werden?

Ich weiß offen gestanden gerade nicht, was ein Tracking-Tool ohne Cookie-Erlaubnis überhaupt aufzeichnet (oder in Zukunft als Fallback aufzeichnen wird), aber in jedem Fall wohl weit weniger als bisher. Die Daten werden unbrauchbar(er) und sind damit weitestgehend Schrott. Und das alles nur, weil Kekse zu den personenbezogenen Daten gehören.

Nicht das wir uns missverstehen. Ich bin absolut für den Datenschutz und sehe in der DSGVO durchaus auch positive Ansätze (leider überwiegen gegenwärtig die Nachteile). Möglicherweise unterschätze ich die zuckersüßen Kekse und wahrscheinlich bin ich nicht mal ein Analyse-Fetischist. Aber das ist das ist Mist! 

Denn in den Tracking-Tools muss die IP Adresse ja ohnehin schon kastriert werden. Ein Rückschluss auf eine Person hinter der IP ist also nicht möglich. Übrig bleibt eine kleine Textdatei die irgendeinen Nutzer anonym identifiziert – der über die Startseite zu einem bestimmten Produkt geht, ein anderes Produkt klickt und dann einkauft. Dieser vollständig anonymisierte Klickpfad ist für die Optimierung von Websites wichtig. Wichtig auch zum Beispiel, welches Gerät, welcher Browser und welches Betriebssystem verwendet wurde. Wenn alle Nutzer des Internet-Explorer die Startseite nach 3 Sekunden fluchtartig verlassen, liegt möglicherweise ein Problem mit der Darstellung für diesen wunderbaren Browser vor. Also je mehr anonyme Daten zur Verfügung stehen, desto besser.

 

Und so gehts im Real-Live…

Zum Vergleich gehen wir mal auf die Strasse: Eine Verkehrszählung.

Bei einer Verkehrszählung (auch Verkehrserhebung) wird die Anzahl von Fahrzeugen in einem Straßenabschnitt oder einer Kreuzung ermittelt um daraus eine wirtschaftliche und planvolle Verbesserung der Verkehrssituation zu erzielen. Hierbei werden keine KFZ-Kennzeichen erfasst. Ausschlaggebend ist lediglich der Verkehrsfluss.

Wenn ich das jetzt auf das User-Tracking übertrage, dann lasst vereinfacht ausgedrückt, wenigstens die Kekse durch das digitale Verkehrsnetz fahren, die KFZ-Kennzeichen (IP-Adressen) sind bereits abgeschraubt.